Bernd Paul aus Wiesenbronn will zum Race across America
Die Fakten über das Race across America (RAAM) hören sich mehr wie ein Alptraum an: Das mit Abstand längste Einzelzeitfahren führt über eine Strecke von rund 4.900 km von der Nordamerikanischen West- zur Ostküste. Auf diesem Weg werden weder die Wüste Arizonas, noch die Rocky Mountains ausgelassen. Jegliche Pause geht Zulasten der späteren Zielankunftszeit. Es kommt nur durch, wer sowohl körperlich, als auch mental topfit ist. Gleichzeitig ist eine ständige Betreuung durch eine Begleitcrew notwendig. Diesem Wagnis möchte sich Bernd Paul (Blinker) aus Wiesenbronn im Juni 2010 stellen.
Biffo: Was kann jemanden dazu bewegen diese Art von Wettkampf zu bestreiten?
Blinker: „Das RAAM ist die ultimative Herausforderung für jeden Ultraausdauerwettkämpfer. Es der Reiz immer extremerer Strecken, der einen antreibt. Besonders das RAAM strahlt durch seine Unwägbarkeiten eine besondere Faszination aus. Innerhalb der Ultramarathon-Gemeinde ist das RAAM das wohl begehrteste Ziel. Allerdings nehmen jährlich nur etwa 25 Solostarter dieses Wagnis auf sich.“
Biffo: Bist du ein Masochist?
Blinker: „Ich bin weder Masochist, noch leide ich unter besonderem Geltungsbedürfnis oder Egoismus.
Zugegeben ist das RAAM alles andere als ein Kinderspiel. Notwendige Voraussetzungen sind aber ehr großer Ehrgeiz und Selbstvertrauen. Ohne Disziplin und entschlossenem Willen läuft auch nicht. Wirklich entscheidend sind aber die eigenen mentalen Fähigkeiten, die zum Ziel führen. Wichtig ist auch eine realistische Selbsteinschätzung von Beginn an. Ich weiß, dass ich hier keine Top-Platzierung erreichen kann, aber ich werde offiziell finishen. Das bedeutet eine Zielzeit von maximal 2 Tagen über der Siegerzeit. Siegerzeiten haben in der Vergangenheit bei etwa 8,5 Tagen gelegen.“
Biffo: Dein Race findet erst in ca. 1,5 Jahren statt – wie sieht die Vorbereitung bis dahin aus?
Blinker:„Ich habe mich seit nunmehr 10 Jahren auf Ultrastecken spezialisiert. Damals hat alles mit dem Race across Germany angefangen, das von Flensburg nach Garmisch-Patenkirchen führt. Mein Jahrespensum auf dem Rad liegt bei etwa 20.000 – 25.000 km, wohlgemerkt neben einem Fulltimejob. Als bisher längsten Marathon habe ich Paris-Brest-Paris 2007 absolviert. Ich bin die Strecke von 1.240 km in 52 Stunden gefahren und wurde damals zweitbester Deutscher. Auf dem Weg zur RAAM-Teilnahme im Jahr 2010 werde ich zunächst die Qualifikation in der Schweiz fahren. Dabei ist eine Strecke von 720 km in einer Maximalzeit von voraussichtlich 27,5 Stunden zurückzulegen.
Geplant habe ich auch das Race around Ireland im September. Dieser Wettkampf über ca. 2.200 km wäre die ideale Testfahrt für das RAAM. Allerdings hängt das noch von der potenziellen Begleitcrew und möglichen Sponsoren ab.“
Biffo: Dein Leistungssport ist demnach keine Nebeneinkunftsquelle?
Blinker: „Radsport ist ein teures Hobby – und Extremradsport ist ein extrem teures Hobby. Es gibt nur etwa eine Handvoll Leute, die wirklich von dieser Art Radsport leben können. Besonders das RAAM stellt einen hohen logistischen Aufwand dar. Aufgrund der notwendigen Rund um die Uhr Betreuung wird eine Begleitcrew benötigt, die im Schichtdienst arbeitet. Eine Begleitcrew umfasst normalerweise 8 Personen. Innerhalb der RAAM-Vorbereitung ist tatsächlich die größte Aufgabe genügend Sponsoren aufzutun, die einen Beitrag dazu leisten möchten. Zwar rechne ich mit einem monetären Eigenanteil, allerdings ist mein persönliches Budget auf eine bestimmte Summe begrenzt.“

