Julias Hafensommerkolumne #5 _ Von schreienden und sanften Schweizerinnen

http://www.hafensommer-wuerzburg.de/uploads/media/HaSo_Banner_468x60.jpg

090724_hafensommer„Kommt die schreienden Frau auch wieder zum Hafensommer“ , hab ich neulich jemanden fragen hören… oh ja, sie kommt. Denn eigentlich konnte damit nur Erika Stucky gemeint sein. Aber schreiende Frau? … Nun gut, wenn ich Sie definieren sollte mit wenigen Worten, diese Frau Stucky, wüsste ich wohl auch nicht genau wie und müsste irgendwo suchen zwischen verrücktem Huhn, Diva, faszinierender Persönlichkeit, Schweizer Berghippie, Jodel-Hula-Mix und – nicht schreiender, vielleicht machmal lauter, aber sicherlich beeindruckender und origineller Stimme. 2007 beim ersten Hafensommer betrat sie zum ersten Mal die Bühne im Main. Und so mancher im Publikum fragte sich sicher erstmal „was ist denn das“ als sich da eine Person über die Treppe den Weg bahnte, dabei durchdringend auf eine Schaufel in Ihrer Hand schlug und ihr ebenso bizarre Klänge entlockte wie Ihrer Kehle – suicidal jodels. Aber irgendwo zwischen Gesang, Akustik, Jodels und ihrem ausergewöhnlichen Programm hat wohl das Würzburger Publikum Gefallen an Ihr gefunden und Sie an Würzburg. Schliesslich ist Sie unter alle den Künstlern der Dauergast am Hafen, schon zum dritten Mal und damit von Anfang an und immer wieder dabei. Würzburg und Stucky, das scheint irgendwie zusammen zu passen. Vielleicht weil Sie so sympathisch und authentisch rüberkommt- und so amüsant, wenn sie Ihre Auftritte mit Erzählungen aus Ihrer Kindheit garniert. Vom großen Kulturschock zum Beispiel als sie, aufgewachsen im Flower-Power-Sunshine-State of California mit Träumen von der Karriere als Hula-Hula-Tänzerin, mit acht Jahren plötzlich in ein Schweizer Bergdorf im Oberwallis verpflanzt wurde und fortan zwischen Trachtenverein, Jodelchören und Cervelatbraten, vom anständigen Dasein als Kinderkrankenschwester oder Kindergärtnerin träumen sollte statt von der Showbühne. Vielleicht weil sie schaffte dem spärlichen Publikum, das es in jenem „ehernichtSommer“ 2007 mit dicken Decken und Winterjacken auf der Bühne sass trotz der Kälte, den widrigen Bedingungen und der mangelnden Kulisse einen unvergesslichen Abend zu bescheren, mal was ganz andres und einen Hauch kalifornische Unbekümmertheit und Frohsinn in die doch eigentlich gar nicht so leichte Klänge Ihrer Jodels zu zaubern. Aber vielleicht machen ja gerade diese Mischung zwischen Schwere und Leichtigkeit, Ernsthaftigkeit, Frohsinn und manchmal gar Unsinn , und das was sie selbst als „mixture of a Swiss-American-Feel-Of-Life“ bezeichnet, die Faszination Ihrer Klangwelten und Ihrer Auftritte aus. Und Sie selbst schien auch Spaß zu haben an der Kulisse und Atmosphäre unter der „orange Surfin’ –Welle“ von der Sie schwärmte- dem beleuchteten Dach des Heizkraftwerkes, das wohl auch für den Künstler auf der Bühne mal einen besonderen Ausblick bietet. Letztes Jahr hatte die Mundpropaganda schon ein deutlich größeres Publikum zu Ihr an den Hafen gelockt und man konnte Sie zusammen mit Alphornbläsern erleben, die das was man sich heimatfilmgeprägt so unter Alphornmusik vorstellte auch vollends über den Haufen warfen und einen erstaunt zurück ließen ob der Klangvielfalt und Intensität die man damit erzeugen kann. stucky4Was immer uns dieses Jahr von Stucky erwartet- es wird wieder etwas ganz andres sein. Vom Hendrix Projekt- Doran, Stucky, Studer, Tacuma wurde die Musik von Jimi Hendrix neu arrangiert und mit einer kongenialen Besetzung weiterentwickelt. Doran mit wimmernder Gitarre, funkiger Groove von Doran am Bass, harte Beats von Studer an den Drums und dazu die Stimme von Stucky , die seine Lyrics mit ihrem Kindheit-Hippie-Hendrix –Bezug aus dem San Francisco der 60er Jahre sicher auf interessante Weise interpretiert – was immer es wird. Es kann eigentlich nur gut werden! Am Samstag Abend folgt Teil Zwei der Swiss- Connection am Hafensommer 09. Sophie Hunger. Im Gengensatz zu Stucky eher die sanfte Stimme unsres Nachbarlandes. Ihre Musik bewegt sich zwischen Indie-Pop, Soul, Jazz und ein bisschen Blues und kommt eigentlich eherruhig und zart daher – und vor allem wahnsinnig intensiv.. Zumindest hab ich das im Kinofilm „Der Freund“ so empfunden, als ich Ihn dieses Jahr beim internationalen Film-Festival in Würzburg schon mal gesehen habe. In einer Nebenrolle spielt Sie Ihre Stücke auf der Bühne einer kleinen Bar und nimmt einen gefangen mit der Intensität die darin liegt, gleichzeitig Zerbrichlichkeit und Widerspenstigkeit und eine ungeheure Kraft und Ausdruckstärke… Mir haben sowohl der Film als auch die Musik sehr gut gefallen. Deshalb hat diese Hafensommerdoppel das allererste Hafensommer-Kreuz in meinem Kalender bekommen und ich bin sehr gespannt, wie sich das Ganze live auf der Bühne anhört. Ergo- beste Aussichten fürs Wochenende! :o ) Der Himmel lacht auch noch! Also ab an den Hafen! Oder wie der Schweizer sagen würde: Gohts alli go luege und lose…

2 Reaktionen zu “Julias Hafensommerkolumne #5 _ Von schreienden und sanften Schweizerinnen”

  1. Thomas
  2. Was ist das denn? Liest sich wie zwischen Mainpost und Poesiealbum. Biffo, bleib bei deinen Bilder! :-(

  3. biffo
  4. Hi Thomas

    ich finde die Berichte von Julia klasse. Mainpost bringt ja gleich gar nix.

    lg

    biffo



Einen Kommentar schreiben