Kitzingen im Jahrhundert der Glaubensspaltung

MARTINUS-MEGLIN-(alias-Stephan-Köhler)

 

MARTINUS MEGLIN (alias Stephan Köhler), der berühmte Kitzinger Reformationspfarrer, führt wortgewaltig und mit szenischen Lesungen durch die neueröffnete Sonderausstellung „Kitzingen im Jahrhundert der Glaubensspaltung“.
Foto: Stadtmuseum Kitzingen

Er berichtet von den neuen Glaubensinhalten der Reformation, den Diskussionen um den freien Willen, aber auch von den Ängsten und Konflikten, die diese neuen Ideen im 16. Jahrhundert innerhalb der Kitzinger Bürgerschaft ausgelöst haben. Alle Kitzinger Familien waren betroffen, sie mussten sich entscheiden, ob sie sich hinter die Lehre der alten Kirche, ihr Kloster, ihr Spital und die Klosterschule stellten, oder ob sie sich den Erneuerern zuwandten, die für ihre Überzeugungen gute Gründe ins Feld führten.

Vor allem aber waren die Menschen in Kitzingen zerrissen vor Angst. Auf der einen Seite forderte ihr Stadtherr, Markgraf Kasimir von Brandenburg, ein unberechenbarer Kriegsherr, der hinsichtlich des reformatorischen Gedankenguts keine Stellung bezog, den absoluten Gehorsam seiner Untertanen, andererseits drohten die Bauernhaufen, die außerhalb Kitzingens Stellung bezogen hatten, die Stadt zu überrennen. Sie hatten bereits in den umliegenden Städten gewütet, ihre Keulen und Morgensterne waren gefürchtet.

Wem sollte man sich anschließen, auf welche Seite sollte man sich stellen? Sollte man sich der Angst überlassen, oder sich für neue, geistige aber auch sozialreformerische Ideen einsetzen? Diese Fragen betrafen selbst die jüngsten Mitglieder der Kitzinger Familien. Denn auch in der Klosterschule wurde streng darauf geachtet, dass das ketzerische neue Gedankengut nicht um sich griff.

 

Martinus Meglin (alias Stephan Köhler) wird in szenischer Umsetzung von diesen unruhigen Zeiten berichten.

Die Termine für diese Führungsreihe sind:

Sonntag, den 12.11., Sonntag, den 19.11., Samstag, den 25.11.,

Sonntag, den 3.12., Sonntag, den 10.12., Sonntag, den 17.12.,

immer ab 14.00 Uhr,

für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist der Eintritt frei, der reguläre Eintritt beträgt 2.- €, es fallen keine zusätzlichen Gebühren an.

 

Ergänzend zur Thematik Glaubensspaltung, Reformation und Bauernkrieg:

Riemenschneider und der Bauernkrieg

 Mittendrin waren unsere fränkischen Bauern im Kampf gegen die Obrigkeit in dem blutigen Gerangel um mehr Freiheit, Macht und eine neue Rechtsordnung. Der gewalttätige Spuk dauerte nur ganze vier Wochen, die Folgen waren noch mehr Knechtschaft und Armut für die aufständischen Bauern. Dass sich in dieser Zeit aber auch Kunst und überragende Handwerker behaupten konnten, wird am Beispiel Riemenschneiders deutlich. Was diesem  im Jahre 1525 widerfuhr erfahren Sie in diesem Vortrag.

 

Dazu spielt Rainer Huth virtuos Geigenmusik aus verschiedenen Epochen.

16. November 2017, um 19.30 Uhr im Stadtmuseum Kitzingen

 bis Ende Dezember 2017 noch im Städtischen Museum Kitzingen zu sehen:

 Kitzingen im Jahrhundert der Glaubensspaltung

Kabinettausstellung des Städtischen Museums Kitzingen

Vom 8. November 2017 bis 31. Dezember 2017

 Die Reformation entwickelte vor allem auf dem Land und in den entsprechenden Landstädten, so in Kitzingen, eine politische und soziale Kraft die unweigerlich zu einem gesellschaftlichen Wandel führte. Die Aufständischen stritten für “Liebe, Friede, Geduld und Einigkeit” anstelle von Habgier und Eigennutz. Grundwerte der neuen Ordnung sollten brüderliche Liebe und der christliche Nutzen werden. Das Evangelium hatte die bisherige Ordnung als einen Zustand der Unterdrückung und Ausbeutung entlarvt. Kampf für das Evangelium war deshalb immer auch ein Kampf für eine gerechtere Welt – und umgekehrt! Auch Kitzingen wurde von den Bauernaufständen des Jahres 1525 nicht verschont. Während der berühmteste Sohn der Stadt, der spätere Spitzenreformator Paul Eber, noch als Schüler die Lorenzschule in Nürnberg besuchte, spielten sich in Kitzingen bereits dramatische Szenen in der Bürgerschaft ab.

im Jahr 1525 überfielen, durch die Flugschriften, Laienpredigten und die Bauernaufstände aufgestachelte, Kitzinger Bürger bei Nachtzeit das Benediktinerinnen-Kloster, zertrümmerten und zerstörten die wertvollen Inventare liturgischen Geräts und verschonten auch das Grab der heiligen Hadeloga nicht. Es wurde, so heißt es bei Friedrich Bernbeck  “auf empörende Weise verunehrt”. Das auf diese Freveltat folgende “Strafgericht” Kasimirs von Brandenburg lebt heute noch als einer der schwärzesten Momente in der Stadtgeschichte Kitzingens nach.

Die Kabinettausstellung des Städtischen Museums Kitzingen gibt einen Einblick in die Vorfälle und Episoden, aber auch in die geistige und mentale Verfassung der Bürgerlichen Gesellschaft Kitzingens im sogenannten “Evangelischen Jahrhundert”, der Besucher lernt die Protagonisten der Kitzinger Reformation kennen. Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten des Museums besichtigt werden, es fallen neben dem regulären Eintritt keine gesonderten Gebühren an.

 

Im ersten OG noch zu sehen:

200 Jahre BIG DATA in Sickershausen –

Die Begründung der wissenschaftlichen Embryologie durch Christian Heinrich Pander und Ignaz Döllinger im Jahr 1817

Mediziner und Naturforscher begegnen sich und werden Zeugen und Beteiligte einer epochalen Arbeit in der Medizingeschichte.

Sonderausstellung des Städtischen Museums Kitzingen von 7. Juli bis 31. Dezember 2017

 

Im Jahre 1817 finden sich in Sickershausen bei Kitzingen Naturforscher und Mediziner zusammen. Dieser freie Forscherkreis mit seinen Treffen im Landgut des Botanikers Forscherkreisbildet den Rahmen für eine dort stattfindende wegweisende medizinische Forschungsarbeit:

Christian Heinrich Pander setzt 1817 mit seinen Untersuchungen am Hühnerei einen bedeutenden Meilenstein in der Embryologie – seine Dissertation gilt bis heute als epochales Werk, das die Basis für die weitere wissenschaftliche Bearbeitung dieses Bereiches legte.

Zeugen und Begleiter seiner Arbeit sind Mediziner, Botaniker, Zoologen und Kupferstecher, die ebenfalls mit ihren jeweiligen wissenschaftlichen Arbeiten nicht nur in die Geschichte der Medizin sondern auch in die Biologiegeschichte eingehen. Ein Jahr später wird der Botanische Garten in Bonn einen Gründungsdirektor haben, dessen Familie aus Mainstockheim bei Kitzingen stammt und nach dem heute das Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen der Universität Bonn benannt ist.

Christian Heinrich Pander beginnt nach Abschluss seiner Arbeit eine Reise durch Europa und kehrt später zurück in seine Heimat, das Baltikum, und widmet sich dort der osteologischen und paläontologischen Forschung.

 

 



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