Backstubenluft – Leseprobe

Backstubenluft – Leseprobe

Teil 1: Vor über 200 Jahren.

Die handgeschmiedete Truhe drückte auf seiner rechten Schulter. Hergestellt von einem Schmid aus Lüneburg begleitete sie ihn durch die ganzen napoleonischen Kriege. Das barocke Deckblatt auf dem Schloss machte sie besonders kostbar. Sie wurde wahrscheinlich um das Jahre 1750 gebaut. Johannes Willinger konnte, als Marketender getarnt, in einem Ochsenfuhrwerk mitfahren. Die Schlacht ist die blutigste des 19. Jahrhunderts. Napoleon war im Oktober 1813 geschlagen. In Leipzig läuteten die Glocken. Er kämpfte für den Rheinbund auf der Seite des Kaisers. Bei Fulda musste er dann das Ochsenfuhrwerk verlassen.
Er war jetzt zehn Tage unterwegs, seine Schultern schmerzten und waren Wund. In Kitzingen such-te er eine Bleibe. Er war jetzt zehn Jahre als Söldner bei den Franzosen im Krieg gewesen. Der Schlaf tat ihm gut.
In Hanau kämpft in einer zweitägigen Schlacht Napoleons Restarmee gegen eine bayerisches-österreichisches Heer. Mit Erfolg für den Kaiser der sich absetzten konnte.
Fast zur gleichen Zeit werden in Berlin zwei Mitglieder einer Mordbrennerbande auf der dem Scheiterhaufen verbrannt. Es war die letzte Hinrichtung durch verbrennen in Deutschland.
In Leipzig wird Richard Wagner geboren.

Am nächsten Morgen versuchte Willinger Arbeit zu finden. Drei Tage sprach er bei Weinhändlern, Bauern und verschiedenen anderen Handwerkern vor. Er hatte in keinem Gewerk einen Gesel-lenbrief. Beim Bäckermeister Geitz in der Rosengasse fand er dann Arbeit. Bei freier Kost und Logis und 10 Kreuzer die Woche gewöhnte er sich nur langsam an die schwere Arbeit. Willinger ging zum Pflegschaftsrat und durch andere sachleitende Verfügungen musste er sich durch das bürokrati-sche Labyrinth in Kitzingen arbeiten. Am Ende stand die Verleihung des Bürgerrechts bei dessen Unterzeichnung dem Beamten der Stadt ein Fauxpas in der Form passierte das er das Tintenfäss-chen umstieß und man den Namen Willinger nur noch halb lesen konnte. Beim neuaufsetzen des Stadtdokuments wurde aus Willinger dann Will.
Grundlage der Geschichte ist ein Gedächtnisprotokoll mit Elisa Will vermischt mit der Phantasie von Autor Hans Will. So entsteht nun dieser zum Teil autobiographische Roman.

Nachts sind alle Katzen geil

….. oder: „Ey Mann hab ich einen Hunger“. Heute hatte ich wieder Dienst am Sonntag und schon um 4 Uhr schrillte gnadenlos die Klingel. Als ich aufmachte standen zwei meiner Azubinen vor der Türe und sahen irgendwie nach Hunger aus: “ Chef kann ich mir ein belegtes Brötchen machen“ – „Nein, es sind noch keine fertig, aber ich packe euch ein paar Kirschkrapfen ein“ – „Sie sind der beste Chef der Welt“. Ok denke ich mir Mädels ihr kennt meine Schattenseiten nicht. Ich wieder in die Backstube geeiert, ich hatte ja noch einen gewaltigen Muskelkater nach meinem drei-Stunden-Marsch gestern Nachmittag, und schnell die Eierringe, Schokocroissants, Quarktaschen und die Nußschnecken aus dem Ofen geholt. Es klingelt schon wieder und so sollte es noch den ganzen morgen zu gehen, da kommen dann Altachtundsechziger die mich anschwallen nach dem Motto: „Weißte noch Biff……..“ blah, blah, die komplette die Pommes Frites Conection vom BiKäi, Tussen mit Röcken die schmäler sind wie mein Gürtel, Barbesitzer usw ein buntes Völkchen halt, die alle etwas gemeinsam haben, sie haben Hunger. 🙂